Museumsbahn

 

Unsere Museumsbahn ist – Stand Herbst 2019 – eigentlich die jüngste Schöpfung im Rahmen unserer Clubanlage. Die früher im analogen Betrieb „Nebenbahn“ genannte Strecke wurde nun ebenfalls auf digitalen Betrieb umgebaut. Nebenbahn ist eigentlich nicht der richtige Name für Strecken, wo überwiegend Modelle aus der Zeit unterwegs sind, wo vielleicht das Bier noch dunkel, die Dirndl sittsam …

Nein, auf einer Vorbild-Nebenbahn findet heutzutage auch moderner Verkehr statt. Es ist halt die Ausstattung der Strecke, die eine Eisenbahn in eine Hauptbahn oder Nebenbahn klassifiziert. Im Vorbild sind z. B. Schliersee – Bayrischzell, Prien – Aschau oder Bad Reichenhall – Berchtesgaden Nebenbahnen. Für unsere Nebenbahn musste nun doch ein neuer Name her: Museumsbahn, das trifft es dann doch genauer.

 

Unsere Museumsbahn kann man sich sozusagen so vorstellen: Ein rühriger Verein hat die von der Stilllegung bedrohte Bahnlinie, die den Bahnhof Arkadental berührt und sich von irgendwo her aus einer Tiefebene hinter den Bergen empor windet, über Arkadental und Bairisch Bünden weiter an Höhe gewinnt, bis es in Vitrinien die Landesgrenze erreicht, für einen symbolischen Taler und 10 Heller übernommen. Nun sammelte und sammelt dieser Verein „Museumsbahn Arkadental“ von überall her alte rostige und dem Verfall preisgegebene Eisenbahnfahrzeuge zusammen, restauriert sie liebevoll und fährt nun für alle Eisenbahnliebhaber einen historischen Betrieb. Da muß es dann gar nicht so genau gehen, ob das alles auch zusammenpasst. Hauptsache es rollt. Wenn Garnituren lupenrein zu bilden möglich ist, wird das natürlich getan. Wer also unserer Museumsbahn zuschaut, darf sich gern an diese fiktive Vorgeschichte erinnern.

 

Als die analoge Technik der früheren „Nebenbahn“, die jahrzehntelang wirklich ausgezeichnet lief, von den aktiven Clubmitgliedern nicht mehr beherrscht werden konnte, sich auch niemand dafür einsetzte, sie zu reparieren, musste eine Änderung her. Digital wäre fein, aber bitte ohne PC. Das Lastenheft wünschte sich, dass man diese Museumsbahn einfach nur einschalten können sollte und dann soll sie fahren. Es gab schon Erfahrung von digitalen Bausteinen (MARCo) des Herstellers Uhlenbrock, die dies möglich machte. Aber so einfach war es halt doch nicht. Das Handbuch ist umfangreich, manchmal schwer verständlich und das mit einer Hotline ist auch immer so eine Sache. Also viel ausprobieren, sich freuen, sich wundern und dann wieder am liebsten die Axt ansetzen. Nach fast einem Jahr! mit Versuchen an verschiedenen Modellbahnanlagen, haben wir die Technik im Griff. Auch wenn nicht viele Fahrzeuge auf der Museumsbahn manchmal zeitgleich fahren (höchstens drei gleichzeitig), ist der 4-Ampere-Booster dann doch überfordert und im Datenaustausch zwischen den Lokdecodern, den MARCo-Empfängern und der Zentrale gibt es „Datensalat“. Ein sicherer Betrieb ist unmöglich, Züge fahren, wie sie wollen.

 

Nun ist ein Teilbereich vom Booster ausgegliedert worden und hängt jetzt am Gleisausgang der Zentrale. Seitdem machen die programmierten Bausteine genau das, was sie machen sollen. Die Lokomotiven halten sich daran und es ist eine Freude, dem Reigen der Museumszüge zuzuschauen. Es sind zehn Garnituren unterwegs. Wir fahren alles im unteren Geschwindigkeitsbereich und so dauert es halt dann noch etwa 90 Minuten, bis ein Zug wieder dort angekommen ist, wo er vor eineinhalb Stunden auch angekommen war. Die Museumsbahn gliedert sich in drei Teilbereiche, die unabhängig von einander programmiert sind, aber „auf den Gegenverkehr warten“ eingestellt sind.

Teilbereich unten: Eine Wendeschleife im „Wendelstein“ nimmt drei Züge auf. Es ist die WAu (Wende-Anlage unten, >50er Bahnhof<). Wenn nun vom Bbf (Betriebsbahnhof, >20er Bahnhof<) ein Zug in Arkadental (>10er Bahnhof<) im Gleis 12 ankommt, dann stellt er den MARCo-Empfänger 53 auf Fahrt. In Arkadental ist immer anzuhalten. Die Fahrt von „53“ führt nach Gleis 11 in Arkadental. Dort angekommen, stellt die Programmierung den Empfänger 53 auf rot und den 52er auf grün. Nun geht es ans Nachrücken. 52 nach 53 und in der Folge 51 nach 52. Und wenn 52 wieder belegt ist, dann geht die Fahrt vom Gleis 12 weiter in die WAu zum MARCo-Empfänger 51. Vor dem 51er Baustein liegt noch das Kehrschleifenmodul. Im Zweileiterbetrieb zwingend notwendig, wenn Züge nicht im Kreis fahren. Ein Zug, der dann den 51er Baustein erreicht, hält dort an und gibt den Zug in Arkadental im Gleis 11 frei. Die Fahrt nach oben setzt sich fort und geht in den mittleren Teil über.

 

Teilbereich Mitte: Der Betriebsbahnhof (>20er Bahnhhof<) ist das Kernstück des Mittelteils. Der Zug, der zuerst dort ankommt, muß warten, bis der Gegenzug eingetroffen ist. Dieser darf dann ohne Halt durchfahren. Während der Zugbegegnung darf auch dann der wartende Zug ausfahren. Wenn beide Züge den 20er Bahnhof verlassen haben, stellen sich die MARCo-Empfänger dort wieder in Haltstellung und warten auf die nächste Kreuzung. Der nach unten fahrende Zug könnte nun in der Beschreibung „Teilbereich unten“ verfolgt werden.

 

Teilbereich oben: Eine Wendeschleife über dem Eingang zur Clubanlage nimmt ebenfalls drei Züge auf. Es ist die WAo (Wende-Anlage oben, >60er Bahnhof<). Wenn nun von unten her (>20er Bahnhof<) ein Zug in Bairisch Bünden (>30er Bahnhof<) im Gleis 31 ankommt, dann stellt er den MARCo-Empfänger 34 auf Fahrt. Bairisch Bünden ist in drei Blöcken je Bahnhofsgleis unterteilt: Richtung oben 31 – 33 – 35. Richtung unten 36 – 34 – 32. Diese Blöcke in Bairsch Bünden sind vom Betrachter nicht alle zu erkennen, geben uns aber die Möglichkeit, zwei Züge mehr auf der Museumsbahn zu fahren und nebenbei den Betrieb so zu steuern, dass er flüssiger wird. Wie oben erwähnt fahren wir ja nicht schnell und die Strecken sind lang. In Bairisch Bünden ist also mehrfach anzuhalten. Nun kurz die Reihenfolge beschrieben nachdem der 34er Block frei wurde: 34 nach 32, 33 nach 35, 31 nach 33, Ausfahrt aus 32 Richtung 20er Bahnhof (Mittelteil). Mit der Ausfahrt aus 32 erfolgt auch die erste Freigabe im 60er Bahnhof. 63 fährt nach 36 und dabei nach dem Block 63 durch das zweite Kehrschleifenmodul unserer Museumsbahn. Im Block 36 angekommen, stellt die Programmierung den Empfänger 63 auf rot und den 62er auf grün. Nun geht es ans Nachrücken. 62 nach 63 und in der Folge 61 nach 62. Und wenn 62 wieder belegt ist, dann geht die Fahrt vom Block 35 weiter in die WAo zum MARCo-Empfänger 61. Ein Zug, der dann den 61er Baustein erreicht, hält dort an und gibt den Zug in Arkadental im Block 36 frei zum Vorrücken in den Block 34. Dann ist wieder die Grunstellung erreicht: In Bairisch Bünden warten – nicht sichtbar für das Publikum – zwei Züge im mittleren Teil jedes Gleises (Blöcke 33 und 34).

 

Die Finessen im Betrieb:

Der Bahnübergang im oberen Bereich: Angesteuert über eine in der Intellibox gespeicherte Fahrstraße schaltet ein Qdecoder* 65 Sekunden nach Ausfahrt aus dem 20er Bahnhof Richtung oben das Blinklicht ein. Und zwar nicht 65 Sekunden, nachdem der Block 21 auf Fahrt gestellt wurde, sondern situationsabhängig halt erst, wenn im Block 21 auch ein Zug wegfährt. In dieser Richtung wird auch ein lokführerüberwachtes Blinklicht angeschaltet (BliLo). Von Bairisch Bünden kommend schaltet der BÜ immer ein, wenn das Signal auf Fahrt geht. Das Blinklicht schaltet in beiden Richtungen aus, wenn die letzte Meldeachse (Leitachse) den BÜ verlassen hat.

*Qdecoder: Digitaldecoder des Herstellers Qdecoder GmbH.

 

Ein sichtbares Einfahrsignal hat der Betriebsbahnhof (>20er Bahnhhof<) von oben her erhalten. Eigentlich war dieses Signal als Einfahrsignal für Arkadental von oben her gedacht. Aber einen wirklich guten Standort, der sich am Vorbild orientieren würde, haben wir nicht gefunden. So haben wir das Signal einen Bahnhof vorher für den Betrachter aufgestellt. Dieses Signal wird 65 Sekunden, nachdem in Bairisch Bünden ein Zug weggefahren ist, auf Fahrt gestellt. Das ist zwar vorerst nicht vorbildlich, aber es macht im Ablauf der Zugsteuerung Sinn. Durch einen MARCo-Empfänger am Signal könnte dort auch ein Zug zum Halten kommen, wenn der Ablauf entsprechend geändert wird. Dann hätte dieses Signal nicht nur einen optischen Charakter, sondern auch einen betrieblichen. Ob wir dies mal realisieren, lassen wir vorerst offen.

 

In Arkadental wird gerade an der Inbetriebnahme eines beschrankten Bahnübergangs gearbeitet. Nach Einbau zweier Digitalservos und Programmierung derselben schließen die Schranken zeitig, bevor sich die Züge dem Bahnübergang nähern. Das Schrankenmodul ist mit Sound ausgestattet, das beim Schließvorgang ein vorbildliches Tönen der Schrankenglocken erzeugt. Bei der Abfahrt in Arkadental in Richtung nach oben kann noch nach dem Schließen des Bahnübergangs vor der Abfahrt der Züge zusätzlich das Hauptsignal beobachtet werden, wie es auf Fahrt geht. Nach weiterer kurzer Wartezeit fährt der Zug an. Ein Genuss, diesem ganzen programmierten Ablauf zuzusehen.

 

 

Diese Beschreibung wird fortgesetzt

Stand 01.07.20